Tapfere Frauen und Männer haben ihren Dienst in den Auslandseinsätzen der Bundeswehr geleistet.
Sie erschufen die Tradition, die aufrecht zu erhalten wir uns verpflichtet haben.
Ein Teil von uns ist in diesen Einsätzen gestorben, wie auch unsere Kameraden dort gestorben sind.
Aber der andere Teil von uns hat überlebt, weil es unsere Kameraden gab.
Ihnen verdanken wir unser Leben, und das wollen wir nicht vergessen.
Egal wie sehr es schmerzt, wie dunkel es auch wird, oder wie tief du fällst, DU LEBST“ (BDV).

Es ist ein großes Ungleichgewicht entstanden. Wie sollen zukünftige Soldaten noch davon überzeugt werden im Erstfall mit Ihrem eigenen Leben einzustehen, wenn es bis heute kein Bekenntnis zu unseren EinsatzVeteranen der Bundeswehr aus Politik und sogar der eigenen Armee gibt? Fast alle EinsatzVeteranen haben zu 100 Prozent ihren militärischen Auftrag von der ersten bis zur letzten Minute erfüllt. Wir leben mit unseren besonderen Erfahrungen und allen persönlichen Konsequenzen als Bürger weiter und sind trotzdem stolz unserem Land nicht nur im Anti-Terror Einsatz gedient zu haben.“(Zitat Christian Bernhardt, Vorsitzender Bund Deutscher EinsatzVeteranen e.V.)

Gerade hier im Einsatzführungskommando ist es uns bewusst, welche Belastungen unsere Soldatinen und Soldaten, aber auch deren Familien durch die Einsätze ausgesetzt sind und welche Opfer sie erbringen. Um so wichtiger ist es, das ehrende Gedenken an die Kameradinnen und Kameraden aufrecht zu erhalten“
(Zitat Oberst i.G. Wenig, Aktionstag des BDV „EinsatzVeteranen der Bundeswehr“ im Wald der Erinnerung, Brief an BDV).

Es ist die merkwürdige Situation entstanden, dass der Soldat den schwarzen Peter für eine mangelnde Begründungsfähigkeit der Politik erhalten hat. Es werden Mandate erteilt, aber die werden nicht ausführlich begründet. Es gibt keine Auswertung der Auslandseinsätze, noch nicht mal des jahrelangen Afghanistan-Einsatzes, also ein schonungsloses, realistisches Bild von der Lage und den Zielen“ (Kontraste, bezahlte Mörder?, ARD Mediathek).
Zitat Klaus Naumann, Militärhistoriker.

Beispielhaft im Einsatz – bis zum scharfen Ende.
Begegnungen mit Bundeswehr in Einsatzgebieten (Auswahl):
Bosnien, Kosovo, Afghanistan 1996, 2003/05/09, 2010/11/12/15

Winfried Maria Nachtwei (* 15. April 1946 in Wulfen) ist ein deutscher Politiker (Bündnis 90/Die Grünen) und Experte für Friedens- und Sicherheitspolitik. Seit seinem Ausscheiden aus dem parlamentarischen Berufsleben ist Nachtwei als unabhängiger Experte für Friedens- und Sicherheitspolitik aktiv. Besonders aufgrund seiner Afghanistan-Expertise ist er gefragter Ansprechpartner von Politik und Medien. Von März 2010 bis Mai 2014 war er zudem Mitglied des Beirats für Fragen der Inneren Führung.

Reisebericht Bosnien & Herzegowina Oktober 1996 („Konfrontation mit der Kriegswirklichkeit“ – Bosnien-Reise der Vorstände von Bundestagsfraktion und Partei von Bündnis 90/Die Grünen im Oktober 1996, http://nachtwei.de/downloads/bericht/reise_bosnien_96.pdf )
„Ziel der Reise war, vor Ort Stand und Perspektiven des Friedensprozesses in Bosnien zu erkunden und dabei auch die bisherigen eigenen Positionen selbstkritisch zu überprüfen. (…)
Für die Mehrheit der Delegation – auch für mich – war es der erste Besuch im bosnischen Kriegsgebiet. Das Ausmaß und vor allem die Intensität der Zerstörungen ist schockierend. Die toten Obstplantagen von Mostar, die zerhackten und enthaupteten Häuser, die zerschossenen und ausgebrannten Hochhäuser von Sarajewo, das auf dem Präsentierteller unter den Geschützen, Mörsern und Scharfschützen der serbischen Belagerer lag – Zeichen für die hartnäckige Zerstörungswut im Krieg und die Wehrlosigkeit der angegriffenen Bosniaken.
Am Hang über Sarajewo und beim Bischof von Banja Luka, dem großen Humanisten, fühle ich es am eindringlichsten: die Scham darüber, wie unzureichend unsere Solidarität, die Solidarität Europas mit den Angegriffenen gewesen war. (Solidarität verstehe ich umfassend politisch, nicht reduziert aufs Militärische) Gegenüber den Überlebenden wagt es kaum jemand, bündnisgrüne Einwände gegen die NATO- und Bundeswehr-Einsätze aus den letzten Jahren zur Sprache zu bringen.
Auszug aus den Reisenotizen:
„Mit Iliza erreichen wir den ersten Vorort von Sarajevo. Hier ist alles zerstört, Wohnhäuser, Geschäfte, Betriebe, alles – wüst.
Sarajevo ist wirklich eine Großstadt mit etlichen Hochhäusern bis ca. 20 Stockwerken. Die meisten sind vom 5./6. Stock an großflächig zerrissen, durchsichtig, gelöchert, geschwärzt, verbogene Träger, Glaszacken, wehender Vorhang.
Durch den früher serbisch kontrollierten Stadtteil Grbavica auf eine Straße am Hang, wo Sarajevo`s Altstadt zu unseren Füßen liegt, Moscheen, Kirchen, Synagogen. Vom Hang oberhalb dieser Straße schossen serbische Geschütze, Mörser, Panzer wie sie wollten in die Stadt hinein. Sarajevo auf dem Präsentierteller, wehrlos in der Mausefalle – und das drei Jahre lang!
Hier packt es mich: Schmerz, Scham …
Joschka stichelt gegen Kerstin: Da hätten Zollbeamte sicher was geholfen, mit Zollstock ….
Später sagt er mir, dass er sich hier geschämt habe, nicht eher für`s Eingreifen gewesen zu sein. Das solle ihm nicht wieder passieren.
Unten die völlig ausgebrannte Nationalbibliothek. In der Altstadt der kleine Markt, wo die verheerende Granate explodierte.
(…)
In Banja Luka Gespräch mit dem katholischen Bischof Franjo Komarica, der uns sehr freundlich begrüßt.
Als er die Tragödie mit dem „Verlust des Glaubens“ begründet, ist er mir noch so ein Glaubensfixierter. Aber angesichts seines Glaubensverständnisses kann ich ihm dann besser folgen. Europa „segnete die Tragödie“. “Prinzipien traten hinter Interessen zurück. Wir leisten unerbittliche Arbeit von Versöhnung, Versöhnung, Versöhnung und Wiederaufbau. Feinde zu lieben, ist gar nicht so einfach. Wir haben geschrien: keine Waffen, keine Waffen! Was ist das um Gottes willen! Unsere Schreie stießen auf taube Ohren! Ihr habt das zugelassen, diesen Neofaschismus. Warum habt ihr das zugelassen?“ Joschka nennt Gründe, warum wir jahrelang gegen militärisches Eingreifen waren. Jürgen schweigt. „Was könnt Ihr Großen uns sagen?“ Jedes Wort kommt mir gegenüber diesem herzlichen, inbrünstigen, verzweifelten, starken Menschen so flach und billig vor.
„Ich will noch in der Dunkelheit eine Kerze anzünden! Das Gesetz des Dschungels ist erkennbar in Europa. Das macht mir Sorgen. Ich flehe Euch an: Verhindert das andere Bosnien in Europa!“ Die letzten Gespräche waren für uns schon Routine.
Jetzt sind wir im Bann, im Innersten angesprochen, gepackt, aufgewühlt. Jeden von uns sieht er beim Reden intensiv und einzeln, nicht flüchtig an.
Mir steigen die Gefühle die Brust hoch in die Augen, auch andere können die Tränen kaum halten. Diese Dreiviertelstunde ist der zusammenfassende Höhepunkt unserer Reise.“
Die Süddeutsche Zeitung berichtete in ihrer Reportage zur Grünen-Bosnien-Reise über dieses Zusammentreffen als das „Gelöbnis von Banja Luka“. (SZ 28.10.1996)
(…)
Die Bundeswehr präsentiert sich bei dieser ersten so hochrangigen Begegnung mit den Bündnisgrünen selbstbewusst, locker, kommunikativ und ziemlich perfekt, von altdeutschem Militarismus keine Spur, voll angekommen in der Rolle des „Schützers, Helfers, Retters“. Die – vor allem im internationalen Vergleich – auffällige „Zivilität“ der Bundeswehroffiziere ist für solche Delegationsteilnehmerinnen eine positive Überraschung, die bisher fast gar nicht mit Bundeswehrangehörigen zu tun hatten. Für mich ist es eine Seite der realen Bundeswehr, aber längst nicht die ganze, und erst recht nicht ihre Entwicklungsperspektive.
Die enorme Diskrepanz zwischen den militärischen und zivilen Instrumenten und Bemühungen: Das Militär ist für die Aufgabe des Auseinanderhaltens der Kriegsparteien gut ausgestattet und agiert dabei trotz sehr multinationaler Zusammensetzung einheitlich. Die Instrumente der zivilen Implementierung, des materiellen und institutionellen Wiederaufbaus sowie die nicht erzwingbare Zusammenführung der Gruppen und Menschen sind oft unkoordiniert, schwerfällig (EU und Weltbank), unzureichend ausgestattet und ausgebildet. Die International Police Task Force hat z.B. nur eine beratende Funktion, ihr Aufbau läuft schleppend. (…)
Erste Schlussfolgerungen (…)
5. Die Aufgabe des Auseinanderhaltens der Kriegsparteien:
Nachdem alle Kriegsparteien den Vertrag von Dayton unterschrieben hatten, bekam IFOR den Auftrag, die Umsetzung des militärischen Teils von Dayton abzusichern. Für dieses nahezu klassische Peacekeeping-Mandat wurde IFOR so „robust“ ausgestattet, dass sie ggfs. in der Lage war, Vertragsbrüchige zur Einhaltung der Vereinbarungen zu zwingen. (Ganz im Gegensatz zu UNPROFOR, die angesichts widerstreitender Interessen und unzureichender Ausstattung im noch brennenden Krieg völlig überfordert war, bzw. wurde)
Vor diesem Hintergrund war der NATO-geführte IFOR-Einsatz der vergangenen Monate erfolgreich. Die Vertragsparteien haben sich weitgehend an die Auflagen des Vertrages von Dayton gehalten. Kapitel-VII-Maßnahmen im Sinne von Kampfhandlungen mussten nicht unternommen werden. Zu einer Eskalation (u.a. von mir in der Dezember-Debatte befürchtet) ist es nicht gekommen. Die multinationale Truppe hat mit ihrer Präsenz und ihrem Engagement den psychologischen und militärischen Sicherheitsrahmen geschaffen, dass sich die Menschen in Sarajewo, in ihren jeweiligen Gebieten (zumindest auf den Straßen) wieder gefahrlos bewegen können, dass es wieder Strom, Heizung, immer mehr wiederhergestellte Wohnungen gibt, dass Wahlen stattfinden konnten …
Unter den o.a. Bedingungen hat auch die Bundeswehr ihren Auftrag im Rahmen des IFOR-Mandats gut erfüllt. Befürchtungen, dass historisch begründete Vorbehalte gegen eine Beteiligung deutscher Soldaten die IFOR-Mission gefährden könnten, haben sich nicht bewahrheitet. Ob es bei einem Kampfeinsatz zu einer Mobilisierung anti-deutscher Ressentiments auf serbischer Seite gekommen wäre, bleibt spekulativ.
Das sind Tatsachen, auch wenn sie uns in unserer grundsätzlich kritischen bis ablehnenden Haltung gegenüber dem Militär irritieren.
Die Behauptung, die Pionier- und Transportleistungen hätte im Wesentlichen auch das Technische Hilfswerk erbringen können, verkennt die Gefährlichkeit des Einsatzgebietes und die Möglichkeiten des THW. Sie ist ein krampfhafter Versuch, dieser Irritation auszuweichen. (Die bei aller Begrenztheit und Kostspieligkeit konstruktiv-deeskalierende Rolle von IFOR scheint auch unter Friedensbewegten kaum noch strittig zu sein)
Zugleich ist unverkennbar, wie der IFOR-NATO-Einsatz für andere politische Interessen instrumentalisiert wurde: zur Überwindung der „Sinnkrise“ der NATO nach Zusammenbruch des Ostblocks und zur Abdrängung der UN. Die Bundesregierung nutzt den Bosnien-Einsatz erfolgreich für ihr Bemühen, mit den „Krisenreaktionskräften“ schrittweise ein Interventionspotential für Kampfeinsätze weltweit aufzubauen und dafür unter dem Image des humanitären Einsatzes die gesellschaftliche Akzeptanz zu erhöhen.

6. Eine IFOR-Nachfolge im Sinne einer kleineren, aber weiterhin „robust“ ausgerüsteten multinationalen Truppe ist unverzichtbar – nach Auffassung aller Gesprächspartner und auch aller Reiseteilnehmer. Sie hätte aber vor allem die Aufgabe einer psychologischen Stabilisierung. Bei Abzug der multinationalen Truppe würden die bewaffneten Auseinandersetzungen wieder losgehen. Dafür sprechen alle Tatsachen: Konfliktherde, Konfliktbereitschaft und Vorherrschaft des Macht-Denkens, riesige Mengen an Kleinwaffen.
Eine solche Art von IFOR-Nachfolge geht deutlich über den bisherigen programmatischen Rahmen der Bündnisgrünen hinaus.

Reisebericht Kabul August 2003 („Kabul im August 2003 – Afghanistan am Scheideweg“)
Patrouille mit dem Alpha-Zug
der GE BG West (Dt. Einsatzverband West), die aus einer türkischen und einer dt. Kompanie besteht. Die dt Kp umfasst 94 Soldaten, von denen 80 Einsatzsoldaten sind. Die Soldaten stammen alle aus dem PzGrenBtl 152 (7. PzDiv.) in Schwarzenborn/Hessen unter Oberstleutnant Remus und sind seit dem 23. Juni in Kabul. Der Alpha-Zug ist dem 5. Polizeidistrikt zugeordnet, dessen Polizeichef vor drei Wochen ermordet wurde. Im Distrikt haben sechs afg Kommandeure ihr Hauptquartier.
Auftrag: Präsenz zeigen, Informationsgewinnung, sechstägige Kurzausbildung für Polizisten.
Grundsätze: Assistance-Rolle, täglich (wenn möglich mit afg Polizisten) und ca. 50% nachts, offen, bestimmt und höflich/“wave and smile“ (Frauen tabu), keine Versprechen und keine Geschenke, stets mit Sprachmittlern
In der Art der Patrouillen gibt es Unterschiede zwischen den Nationen. CAN patrouilliert mit Helm, die dt. Soldaten tragen Tropenhut, legen Wert auf Fußpatrouillen und Gesprächskontakte. Probleme macht aber manchmal die „2. Reihe“, wenn man sich z.B. bei einem zu kontrollierenden verdunkelten Pick up sicher ist, dass er Waffen oder Drogen transportiert, die begleitenden afg Polizisten aber mit Verweis auf den „vertrauenswürdigen“ Besitzer durchwinken.
Befehlsausgabe in der Operationszentrale. Im Nachbardistrikt soll eine angemeldete Frauendemonstration stattfinden. Unter Feindlage fallen Kugelschreiberwaffen. Die Threat Warnings Liste umfasst 14 Anschlagswarnungen seit dem 4. Juni. Die Ernsthaftigkeit der Warnungen ist schwer zu beurteilen – manchmal sollen sie auch vom afg Geheimdienstquellen lanciert sein.
Die Patrouille umfasst zehn Soldaten mit zwei offenen Wolf-Jeeps und zwei geschützen Dingos und wird von einem Leutnant geführt. Der Dingo fasst fünf Soldaten, schützt gegen Schusswaffen und Minen und erlaubt gegenseitigen Sichtkontakt. Vor dem Beifahrersitz befindet sich der große Monitor des taktischen Führungssystems FAUST, das den jeweiligen aktuellen Kartenausschnitt des Einsatzraumes und den eigenen Standort zeigt. Auf der fast einstündigen Fahrt zum 5. Polizeidistrikt im Westen wird erst auf der Jalalabad-Route immer die Anschlagsstelle vom 7.Juni passiert. Dann geht es durch ein Viertel, das bis zu hundert Prozent zerstört ist und wo Mauerreste wie Zahnstümpfe aus dem Trümmermeer hervorragen. Der Verkehr ist dicht, chaotisch, unberechenbar. Der größte Teil sind gelbe Taxen. Die Fahrzeuge aller Arten sind meist überladen.
Anlaufpunkt ist die Polizeiwache des Distrikts, wo ca. hundert afghanische Polizisten auf 70.000 Einwohner kommen. Nach dem Mord von vor drei Wochen steht hier rund um die Uhr ein Dingo mit zwei dt. Soldaten. Das Büro des neuen Polizeichefs ist voller Plastikblumen.
Bei der folgenden Fußpatrouille bilden zwei afg Polizisten Hand in Hand die Spitze. Die folgenden dt. Soldaten sichern rundum und verhalten sich zugleich offen für Kontakte. Auf ihr aktives Lächeln, Grüßen und Winken antworten Jüngere durchweg freundlich bis herzlich, Ältere freundlich bis verhalten. Ab „Romeo-Kreisel“ geht es durch quirlige Menschenmassen.
Auf dieser Patrouille erlebe ich leibhaftig die Stärke von ISAF: Mit 80 Soldaten auf eine Million Einwohner im Verantwortungsbereich der BG West wäre sie als feindlich empfundene Besatzungstruppe völlig chancenlos. ISAF kann nur frei agieren und wirken, weil sie eine hoch angesehene Unterstützungs- und Stabilisierungstruppe ist. Nach Umfragen begrüßen 98% der Kabuler Bevölkerung die ISAF-Präsenz.
Das gilt in besonderer Weise für das dt. Kontingent. Noch nie habe eine Patrouille gemeldet, dass sie in Gefahr geraten sei – so ein hoher Offizier. Mit Zulieferung der neuen, der US-Uniform ähnelnden Tropenuniform führte die Bundeswehr eine Kampagne zur besseren Unterscheidung von dt. und US-Uniform durch.

Reisebericht Kosovo März 2005 („Kosovo ein Jahr nach den Märzunruhen: Viel Stagnation und wichtige Fortschritte“, http://nachtwei.de/downloads/bericht/kosovo_bericht_200503.pdf Besuch beim Deutschen Kontingent KFOR (Auszug)
(…) Mit einem schweizerischen KFOR-Hubschrauber fliegen wir über verschneite Hügel und die Schraffur des kahlen Winterwaldes nach Prizren zum Sektor der Multinationalen Brigade Südwest (MNB SW). Zurzeit wird sie vom deutschen Brigadegeneral Richard Rosmanith geführt. Die deutsch-italienische MNB SW umfasst 7.000 Soldaten aus 11 Nationen. (Die anderen Brigaden sind viel weniger multinational: die MNB NE ist zu 80% französisch, die MNB E zu 100% amerikanisch.) Zur Brigade gehören fünf Task Forces (DEU Prizren, IT Pec, TÜR Dragas, SPA und ÖST), der deutsche Anteil liegt bei 2.700 Soldaten. Die dt. Task Force ist das einzige Einsatzbataillon der Bundeswehr auf dem Balkan. Der Einsatzraum für ihre vier deutschen und eine türkische Kompanie umfasst 600 qkm.
In Prizren besuchen wir Hot Spots vom März: das Erzengel-Kloster im Tal der Bistrica und das Serbenviertel oberhalb der Altstadt. Der TF-Kommandeur aus Celle, Oberstleutnant Frank Peter Schmitz, und der junge Kompaniechef tragen vorbildlich klar und konzentriert vor. Das Erzengel-Kloster wurde ab 1348 zur Zeit der Schlacht auf dem Amselfeld erbaut und 1455 durch die Türken zerstört. Steine vom Erzengelkloster wurden in der Sinan-Paha-Moschee in Prizren verbaut. Wo zeitweilig bis zu 250 Mönche lebten, waren es bis zum März 2004 noch sieben. Das Kloster wurde damals von einem Zug mit zehn Soldaten gesichert. Technische Sperren gab es nicht. Man bereitete sich darauf vor, das Kloster an UNMIK-Police zu übergeben. Am 17. März gegen 20.00 Uhr wurde der Anmarsch einer gewalttätigen Menge gemeldet und die Mönche daraufhin zum Gefechtsstand evakuiert. Gegen 22.00 Uhr näherten sich ca. 250 Personen. Eine Hauptgruppe band die zehn Soldaten an der Brücke, zwei andere Gruppen kamen von West und Süd. Ihr Hass richtete sich gegen die Mönche. Das Kloster wurde auf den Kopf gestellt und in Brand gesetzt. Vor den schwarzen Fensterhöhlen des Klosters zeigt man uns Fotos von der früheren sakralen Pracht.
Vom Beobachtungspunkt „Auge“ am Hang oberhalb des Serbenviertels und der Altstadt blicken wir auf die verschiedenen Orte der März-Unruhen: Der Marktplatz mit Brunnen, wo sich die Demonstranten sammelten; die Ruine des serbisch-orthodoxen Bischofssitzes, wo ca. 1.000 Gewaltbereite auf Warnschüsse mit Beifall reagierten (man wusste, dass die Einsatzregeln Schusswaffengebrauch zum Objektschutz untersagten); das Priesterseminar, wo eine Leiche gefunden, aber nicht nach Berlin gemeldet wurde; die „Fuchsbrücke“ als Zufahrt zur Altstadt; das verspiegelte ehemalige UNMIK-Gebäude, einem Brennpunkt der Attacken im März. Bis zum März lebten im zerstörten Serbenviertel noch wenige alte Leute. Seit den Unruhen niemand mehr. (…)
KFOR und das deutsche Kontingent haben aus dieser realen Niederlage – unabhängig von der öffentlichen und parlamentarischen Debatte – zügig und umfassend Konsequenzen gezogen. Das Bewusstsein bei KFOR habe sich gewandelt: Man habe gelernt, das Undenkbare zu denken.
Kosovoweit sind Schlüsselgebiete/-objekte definiert, die als „red boxes“ gegebenenfalls mit der Schusswaffe verteidigt würden. Sie sind umgeben von einer „blauen“ Verzögerungszone, in der vor allem UNMIK-Police und Kosovo Police Service (KPS) agieren. Die Reduzierung von KFOR ist gestoppt. Viel mehr Soldaten stehen inzwischen als „Manöverkräfte“ zur Verfügung, ggfs. auch Fernmelder, Pioniere und Logistiker (insgesamt mehr als die Hälfte der Brigade). Frühe Vorwarnung, Verzögerung und potentielle Gewalttäter auf Distanz halten, hohe Luftmobilität und Einsatzflexibilität stehen jetzt im Vordergrund. Nationale Vorbehalte (caviats) wurden weitgehend abgebaut. Verstärkungskräften können binnen ein bis zwei Stunden herangeführt werden. Die Soldaten sind jetzt auf „Crowd & Riot Control“ (CRC) vorbereitet, die Fähigkeit zur abgestuften – immer verhältnismäßigen – Eskalation wurde auf der Ebene der „nichtletalen“ Mittel erheblich verbessert. Den Soldaten steht neben ausreichenden Demo-Schutzausstattungen ein umfassendes Arsenal von Distanz- und Wirkmitteln zur Verfügung: Abdrängstock, Pfefferspray, Reizstoffpatronen und Hartgummi-geschosse, CS-Wurfkörper. Hier seien „keine Wünsche offen“. Das CRC-Konzept wurde wohl in Abstimmung mit den deutschen Polizeien entwickelt. Die Einsatztaktik bleibt aber von der polizeilichen verschieden. Zum Schutz von Personen und Objekten sollen primär Angreifer auf Distanz gehalten und nicht etwa ergriffen werden.
Ein Knackpunkt für das richtige Verhalten im Einsatz – und damit für die Ausbildung der militärischen Führer – ist die Fähigkeit, bei plötzlichen Lageveränderungen schnell eigen-ständig „umschalten“ zu können und dabei weder zurückzuweichen noch über zu reagieren.
Da auf dem Balkan Glaubwürdigkeit oft nur mit Gewalt(drohung) zu schaffen sei, wird die KFOR-Stärke demonstrativ gezeigt und die Gegenseite zu Übungen eingeladen – verbunden mit der klaren Botschaft, dass alle weiteren Unruhen die Unabhängigkeit auf den St. Nimmerleinstag verschieben würde.
Im Rahmen der „Operativen Information“ gebe es eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den lokalen Medien. KFOR-TV sendet dreimal/Woche je eine Viertelstunde zu bester Sendezeit.
KFOR ist damit viel besser in der Lage, gewalttätige Angreifer abzuwehren und Menschen und wichtige Objekte wirksam zu schützen. Dabei will man auf keinen Fall von den „Hasen“ zu den „Killern vom Amselfeld“ werden. An die Politik wird appelliert, darauf zu achten, dass Militär nicht zu sehr in die Polizeiarbeit gezogen wird.
Kontakte und Zusammenarbeit mit UNMIK-Police wurden intensiviert. Inzwischen gibt es auch gemeinsame Übungen. Man demonstriere den öffentlichen Schulterschluss. Allerdings sind UNMIK-Police und KPS längst nicht so gut ausgestattet wie KFOR.
Es bleibt die politische Frage: Was sind das für Verhältnisse, wo ein Kloster mit zzt. 6-8 Mönchen mit einem solchem internationalen Personal- und Materialaufwand geschützt werden muss!

Reisebericht Juni 2009 („(Klein-)Krieg bei Kunduz – Weizenrekordernte nebenan“, http://nachtwei.de/index.php?module=articles&func=display&catid=11&aid=886 )
Auszug „Neue Intensität des bewaffneten Konflikts
Seit dem 29. April 2009 haben die Aufständischen-Angriffe und Zusammenstöße eine neue Intensität erreicht. Vorher erfolgten Überfälle nach der hit-and-run-Taktik, zielten Anschläge auf die Vernichtung einzelner Fahrzeuge, Soldaten und Polizisten. Damals beschränkten sich deutsche ISAF-Soldaten darauf, bei Beschuss zurückzuschießen, den Gegner „unten zu halten“ und sich von ihm zu lösen bzw. durchzubrechen. Jetzt zeigen die komplexen Angriffe regelrecht militärische Ausbildung und Führung und zielen mit Mehrfachfallen auf die Vernichtung ganzer Einheiten. Bis zu unserem Besuch ereignen sich sieben solcher Gefechte. Erstmalig in der Geschichte der Bundeswehr fällt ein Soldat im Kampf (29.4.), erstmalig werden etliche Gegner im Kampf getötet (7.5. mindestens zwei, 4.6. mindestens zehn), erstmalig erhält Bundeswehr in AFG Luftnahunterstützung nicht nur mit „show of force“ im Tiefflug und Flairs, sondern mit Bordwaffen (15.6.). Am 19.7. werden erstmalig ein Mörser (3 Granaten) und der Schützenpanzer Marder eingesetzt.
Beispiel Gefecht am 4. Juni: Vom 3.5. bis 14.6. lief die Operation „Sahda Ehlm“ in einem 30-km-Radius um Kunduz. Nordwestlich Kunduz liegen einige Ortschaften mit mutmaßlichen Aufständischen. Mit Checkpoints sollten ihre Bewegungen gestört werden. Gegen 16.30 Uhr wird ein Spähtrupp bei Aq Shakh beschossen. Der anrückende Verstärkungszug wird aus vorbereiteten Stellungen über mehr als einen km ca. eine halbe Stunde lang beschossen. Obwohl mehrere Aufständische getroffen wurden, greifen die Gegner weiter an. In einer Feuerpause beginnen ISAF- und ANA-Soldaten den Rückmarsch. An einer Kreuzung befinden sich viele Zivilpersonen, die angeblich von Aufständischen aus den Häusern getrieben worden seien (als Deckung für den Abtransport von Verwundeten). Danach kommt es zu einem dritten Hinterhalt. Die Soldaten werden von beiden Seiten mit Panzerfäusten in hoher Zahl beschossen, z.T. mehrere auf ein Fahrzeug. Bis zu vier A-10 der US-Airforce leisten mit Tiefflug und Flairs (Täuschkörper) Luftnahunterstützung. Wegen mangelnder Unterscheidbarkeit am Boden kommt es nicht zum Waffeneinsatz. Insgesamt ziehen sich Feuerwechsel und Gefechte mit Unterbrechungen über fünf Stunden hin. Auf der Seite der mehr als 80 Aufständischen werden mindestens 10 Tote gezählt, keine Verluste auf Seiten ISAF (ca. 120 Soldaten) und ANA. Einige Soldaten sind aber psychisch nicht mehr einsatzfähig.
Es heißt: Wäre die Verstärkung nicht rechtzeitig gekommen, hätten die ISAF-Soldaten mit ihrer besseren Ausbildung und Bewaffnung nicht den Kampf aufgenommen – und auch einige Male schlicht Glück gehabt -, hätte es auf Seiten der Bundeswehr höchstwahrscheinlich Tote und Verwundete in hoher Zahl gegeben. Zugleich behielt man in dem relativ dicht besiedelten Gebiet die Umsicht, zivile Opfer strikt zu vermeiden.
Die Gruppen- und Zugführer, d.h. junge Männer in den Zwanzigern vom Hauptfeldwebel bis zum Oberleutnant, tragen die Hauptverantwortung vor Ort.
In den Tagen danach machten die Soldaten ein Debriefing durch, erst im Rahmen ihrer Gruppe/Teil-einheit, dann mit dem Militärpsychologen.
Unter den Soldaten ist der Drang nach schweren Waffen, vor allem Hubschrauberunterstützung unüberhörbar. Zu spüren ist der soldatische Grundmechanismus von Kriegen „entweder wir oder die“ und der kameradschaftliche Zusammenhalt als elementarer Antrieb.
Eigene Tote, Verwundete, Traumatisierte haben Bundeswehrsoldaten inzwischen schon etliche Male erlebt. Jetzt haben sie das getan, wofür sie militärisch ausgebildet sind, was sie bisher nie tun mussten – töten. Wie bewältigen sie das? Wie werden Staatsbürger in Uniform damit fertig – mit dem sich einbrennenden Film eines solchen Überlebenskampfes? Wie bewährt sich jetzt Innere Führung, die Bindung der Bundeswehr an die Werte des Grundgesetzes?
Ein Journalist, der schon einige Tage hier ist, beobachtet bei den Soldaten eine besondere Ernsthaftigkeit. Ein AFG-erfahrener dt. Diplomat in Kabul lobt die „entschlossene Besonnenheit“ der Bundeswehrsoldaten.
Danach
Zwei Tage nach unserem Wegflug aus Kunduz am 15.6. mehrstündiges Gefecht: ca. 15 km nordwestlich Kunduz, Beschuss einer ANA Kompanie mit belg. OMLT mit Handwaffen und RPG; die zur Hilfe gerufene QRF befreit die afghanischen und belgischen Soldaten aus der Umzingelung, Bei der angeforderten US-Luftnahunterstützung kommt es erstmalig zum Waffeneinsatz einer A-10 (Bordkanone und Rakete) im Nordosten. An dem ca. sechsstündigen Gefecht sind etwa 200 afghanische, dt. und belgische Soldaten beteiligt. 2 ANA Soldaten und mindestens 5 Angreifer wurden getötet.
Zehn Tage nach unserem Kunduz-Besuch werden in Chahar Dara 6 km südwestlich des PRT Kunduz Kräfte der Schutzkompanie mit Handfeuerwaffen und RPG angegriffen. Bei Ausweichmanöver stürzt ein „Fuchs“ in einen Wassergraben und überschlägt sich. Drei Soldaten sind eingeklemmt und ertrinken in dem 2 m tiefen Wasser, vier weitere können trotz Beschuss gerettet werden. Mehrere A-10 Thunderbolt leisten Luftnahunterstützung mit show of force.

Am nächsten Tag bricht in Deutschland wieder eine der üblichen „Blitzdebatten“ aus – Stimmen, die schwerere Waffen, die „Klartext“ („Deutschland führt Krieg“) fordern.
Wo Soldaten in Kunduz zu Recht ihre Kriegssituation ehrlich beim Namen genannt und nicht beschönigt haben wollen, da höre und spüre ich im heißen Berlin zugleich Kriegstrommler aus entgegen gesetzten Richtungen:
– solche, die endlich wieder „kriegsfähig“ sein wollen;
– solche, die schlichtweg die taktische Ebene (Kleinkrieg in einzelnen Distrikten) und die strategische Ebene (Auftrag Stabilisierungsunterstützung) durcheinander bringen;
– solche, die sich endlich bestätigt fühlen, nachdem sie seit Jahren den friedenssichernden ISAF- und Bundeswehreinsatz als Kriegseinsatz verkannt bzw. verzerrt haben.
Hohe Bundeswehroffiziere nennen diese Debatte absurd: Wo sich die neue US-Regierung gerade von der Ideologie des „Krieg gegen den Terror“ verabschiede, drängen hierzulande viele jetzt in diese Richtung.
Eine solche – in erster Linie von Befürwortern des AFG-Einsatzes verantwortete – Debatte wirkt wie „friendly fire“: weiterer Akzeptanzverlust in Deutschland, Verunsicherung für die Soldaten und ihre Angehörigen, Abschreckung für die freiwilligen Entwicklungshelfer und Polizeiausbilder, die so dringend und mehr benötigt werden.
Die Spitzen der Bundesregierung agieren bei alledem überwiegend reaktiv und geduckt, eher beschönigend, nie ressortgemeinsam, insgesamt ohne ehrliche Überzeugungskraft und Glaubwürdigkeit – halbherzig. Angesichts der gefährlichen Abwärtsdynamik in AFG und der Chancen des US-Strategie-wandels ist das grob fahrlässig. Gegenüber den Millionen Afghaninnen und Afghanen, die immer noch besonders auf Deutschland setzen, gegenüber den tausenden Soldaten und hunderten Aufbauhelfern, Polizisten und Diplomaten, die in AFG Bewundernswertes leisten, ist das unverantwortlich.“

Reisebericht August 2010 („Aufbau im Schatten von Guerillakrieg und Aufstandsbekämpfung“, http://nachtwei.de/downloads/bericht/AFG-RBericht-8-10.pdf )
Auszug „Gespräche mit Einsatzsoldaten
Christoph Reuter und Antonio Giustozzi haben bestimmte Distrikte im Norden, auf die Frage hin untersucht, warum es „20 Taliban gelingen konnte, einen Distrikt mit 50.000 Einwohnern
und 60 Polizisten zum Kippen zu bringen“. Hier zog sich jeweils ein minimaler Staat zurück.
Angesichts der strategischen Bedeutung der gekippten Distrikte gerade in Kunduz und Baghlan kam ein Laufenlassen, gar Zurückziehen (wie in manchen anderen entlegenen Konfliktdistrikten) nicht in Frage. Deshalb stellte sich in 2010 die drängende Frage, wie die von Aufständischen kontrollierten Gebiete wieder zurückgewonnen werden können, wie minimale Sicherheit wiederhergestellt werden kann. Und wie kann das gelingen, ohne dass die Aufstandsbewegung weiter angeheizt wird?
Diese Schlüsselfrage wurde in der Berliner Debatte wegen der Fixierung auf den Luftschlag von Kunduz und den Untersuchungsausschuss lange vernachlässigt.
Umso wichtiger ist zu erfahren, was vor Ort geschieht, um die im Laufe der Jahre 2007/2008 verlorene Initiative zurückzugewinnen. Wie kann Bundeswehr wieder ihren Auftrag, zu einem sicheren Umfeld und dem Schutz der Bevölkerung beizutragen, wieder erfüllen?
In Mazar zwei Gesprächsrunden mit Soldaten der Quick Reaction Force (QRF), Gespräche beim Stab QRF und CIMIC
Die jungen Soldaten vom Gebirgsjäger-Bataillon 231 aus Bad Reichenhall machen einen sehr ernsten und überlegten, zugleich recht selbstbewussten Eindruck. Ihre Chefs sind wenig älter. Beim Delegationsgespräch ist Hauptmann M. A., Chef der 2. Kompanie, dabei: ein bodenständiger, besonnen-zupackender, herzlicher Mann mit auffällig positiver Einstellung.
In der Kürze der Begegnung kommt die persönliche Dimension des Einsatzes (Was machen die Kampferfahrungen mit ihnen? Wie gehen sie mit ihnen um? Wie erfahren sie die militärische und politische Führung und den Sinn des Einsatzes?) kaum zur Sprache. Umso wichtiger werden die Ergebnisse der sozialwissenschaftlichen Begleitung des 22. Kontingents durch das Sozialwissenschaftliche Institut der Bundeswehr (SOWI) sein, die im Laufe des Jahres 2010 durchgeführt wurde und in ihrem Umfang und ihrer Tiefe einmalig in Europa ist. Nach Jahren der vagen Vermutungen müssen die Parlamentarier endlich empirisch-gesichert erfahren, welche menschlichen Folgen ihre Aufträge haben!
Diese QRF mit ihren drei Kompanien je ca. 140 Mann ist seit der zweiten Aprilhälfte im Land. Im Rahmen der Operation TAOHID I-III ist Einsatzgebiet das Tal „Highway-Triangel“ im Dreieck der Hauptstraßen „Pluto“ (von Kunduz) und „Uranus“ (A 76 von Mazar) im nördlichen Baghlan, Distrikt Baghlan-e Jadid. 15 km Nord-Süd, 7-8 km Ost-West, feucht-heißes Gebiet, das grüne Band des Baghlan-River mit Reisfeldern, westlich davon Wüste. Ca. zehn namentlich bekannte Ortschaften. ISAF war in dieser Gegend lange nicht zu sehen. Hier war der Rückzugsraum Nr. 1 der Aufständischen.
Aufgabe der QRF als der einzigen frei verfügbaren Einheit der Bundeswehr im Norden war, zusammen mit ANSF und US-Kräften den Raum frei zu kämpfen und an die Sicherheitskräfte zu übergeben, Nachhaltigkeit zu schaffen. (Solche Operationen zur Rückgewinnung von Gebieten unter Aufständischenkontrolle sollte im Norden eigentlich erst ab November, mit dem vollen Aufwuchs der „Ausbildungs- und Schutzbataillone“ stattfinden.) Das sei die einzige Möglichkeit, verantwortlich aus dem Land rauszukommen.
Ganz am Anfang, am 15. April, fielen hier vier deutsche Soldaten.
Die erste Phase war Bau und Absicherung von Feldposten. Es entstand der Observation Post North, der entlegendste und gefährlichste Außenposten der Bundeswehr. Dann kam Gesprächsaufklärung: Ein Zug fährt vor eine Ortschaft als Selbstschutz (force protection) für das CIMIC-Team. Das führt Gesprächsaufklärung über ein bis drei Stunden. Erste Kontakte entstehen über Kinder. Diese wirken als Brücke. Wo keine Kinder auftauchen, ist ISAF nicht gern gesehen. Das Gastrecht gelte grundsätzlich auch für ISAF. Die Leute geben aber zu verstehen, wenn es nicht geht. Die Leute wollen nicht von den Taliban benutzt werden. Aber auch denen gegenüber gilt das Gastrecht.
„Wir erklären als erstes, dass wir Deutsche sind, und dass wir wollen, dass nach 30 Jahren der Krieg zu Ende geht.“ Man wolle beim Aufbau helfen. Der setze aber Sicherheit voraus.
Die Afghanen wüssten sehr viel von Deutschland. Bei Kontakten mit der örtlichen Bevölkerung erinnert der Kompaniechef an den Zweiten Weltkrieg, als Deutschland und USA gegeneinander gekämpft hätten; an die Hilfe für Deutschland nach dem Krieg. Und jetzt arbeite man hier zusammen. „Als wir reingingen, führten wir viele Gespräche. Es waren auch vier Taliban dabei, man sah`s, sie wollten keine Hand geben. Andere sprachen nach Handschlag lange mit uns. 42 Dorfälteste kamen, um mit dem Kompaniechef das weitere Vorgehen abzuklären. Wir blieben elf Tage dort. Ein schwerverbranntes Kind wurde ausgeflogen. Als die ANA nach elf Tagen abzog, wollten einige Bundeswehrsoldaten am liebsten da bleiben.“
Clear-Operationen laufen alle mit ANA gemeinsam: manche Ortschaften wurden durchsucht, Hausdurchsuchungen macht die ANP.
Es gab Gefechte. „Wenn wir zum Stehen gezwungen wurden, gab es einige heftige Tage. Dann war das vorbei.“ Hier ging man nicht mit angezogener Handbremse vor. Die 3. Kompanie hätte die heftigsten Sachen erlebt.
Die Aufständischen verließen den Raum. Einige tauchten ab. „Wir haben Triangle freigekämpft. Seit dreieinhalb Wochen ist Ruhe.“ ANA besetzte drei wichtige Brücken, errichtete Hesko-Boxen von 100 x 100 Meter. Jetzt befände man sich in der Hold-Phase. Dankbar sei man für die bereitgestellten US-Fähigkeiten: Der IED-Räumer schaffe zwei km/Stunde, wo Bundeswehr nur 500 Meter am Tag schaffe. Bei Operationen standen Kampfflugzeuge über dem Einsatzraum. Meist reichte zur Abschreckung schon der Ausstoß von Flares im Tiefflug. Das signalisierte den Kämpfern, dass ihre Positionen erkannt waren.

Dort praktiziert Bundeswehr seitdem Partnering mit ANSF, auch mit NDS und umgedrehten ehemaligen HIG-Kämpfern. Dabei ist ein US-Zug zum Minenräumen.
Mit dem 3. Kandak des 209. ANA Corps gemeinsame Patrouillen und Operationen. Das Partnering geht bis zur Zugführerebene. Hier kennen sich die Chefs.
Partnering sei keine Frage von offensiv oder defensiv. Bundeswehr unterstütze die ANSF.
Seit vier Monaten ist die QRF draußen in der Foward Operation Base (FOB) auf einer Hügelkette. Die einzelnen Züge liegen auf verschiedenen Hügeln. Die FOB hat keinen Zaun, muss ständig rundum gesichert werden. Man habe dort mit nichts angefangen. Inzwischen habe man Zelte mit Klimaanlagen. Ernährt wird sich fast nur von EPa (Einmannpackungen), vereinzelt gebe es Zusatzverpflegung. Für vier bis fünf Wochen ist ein Zug draußen, dann 10-14 Tage im Camp Marmal. Das Camp sei eine andere Welt. „Bad Mez“. Nach drei, vier Tagen klinge die Spannung ab. Die drinnen wissen gar nicht, was draußen läuft. Man erlebe im Camp viel Bürokratiescheiß. Der Stab RC North habe 500 Dienstposten! Ein anständiger Hauptgefreiter habe die Feindlage besser drauf als der Stab.
Die ANA habe recht guten Ausbildungsstand und gutes Ansehen. Für die ANP gelte das Gegenteil. Sie sei schlecht, liege nur herum. Polizisten plündern auch.
Im internationalen Vergleich könne sich die QRF sehen lassen. Sie sei vergleichsweise gut ausgestattet. 70-75° C im Marder seien aber kaum auszuhalten. Bei Fahrzeugen fehle zum Teil der Minenschutz. Ein Problem seien Schutzwesten, die keinen seitlichen Schutz haben. Oder die nicht feuerfeste Funktionsunterwäsche. Oder Schuhwerk, das Stinkefüsse fördere. Truppe draußen brauche bestmögliches Material – und das schnell. Schon beim „Sofortbedarf“ dauere es oft sechs bis zwölf Monate. Dank guter Ausbildung sei man den Aufständischen überlegen. Allerdings gebe es bei den Mannschaften wegen der kurzen Dienstzeiten einen enormen Erfahrungsverlust. In der Kompanie gebe es nur acht Mannschaftsdienstgrade Z-8.
Die US-Soldaten seien weniger gut ausgebildet. Ihre ziemlich hoch gebauten Fahrzeuge würden dauernd umkippen und müssten dann von Bundeswehr freigeschleppt werden. US-Soldaten können weder fahren (Ausbildung oft erst hier) noch bergen. Unglaublich sei, wie lange bei der US-Army noch die „Humvees“ (High Mobility Multipurose Wheeled Vehicle HMMWV) zum Einsatz kämen. Die seien verwundbar wie nichts. Schon deshalb seien relativ viele US-Soldaten gefallen.
Was motiviert? Wenn die Menschen winken, wenn wir aus dem Gefecht kommen, wenn Schulmädchen winken und tanzen, wenn sie uns sehen. (Chef der 2. Kompanie) Anfangs hätten sich die Leute in Triangle distanziert verhalten, wurden die Frauen reingeholt.
Zeitgleich mit der zweiten QRF-Gesprächsrunde hält Minister zu Guttenberg vor Soldaten es Kontingents eine Rede zur Bundeswehrstrukturreform. Ich biete ihnen an, dorthin zu gehen. Sie bleiben. Später bemerkt ein Soldat, dass sie in letzter Zeit öfter Gespräche mit Generalen und Politikern hätten. Er wisse nicht, was dabei herauskäme.
Ich kann nur versprechen, dass ich die Gesprächsinhalte und Besuchserfahrungen in meinen Reisebericht aufnehmen und diesen verbreiten werde.

Der Abteilungsleiter J9 (CIMIC) gibt vertiefte Einblicke in das menschliche Umfeld der Region. Er ist seit März hier. Im Norden gibt es ca. 9.000 Dörfer, in denen zwei Drittel der 10 Mio. Menschen des Nordens leben. Die Gesellschaft hier hat eine erheblich andere Entwicklungsstufe. Frauen werden als Sache behandelt. Bekommen sie keinen Sohn, können sie bestraft werden. Eine zentrale Rolle haben die Mullahs, die mit ihrer Familie von der Bevölkerung ernährt werden. Man dürfe nicht vorschnell von Taliban reden. Vermeintliche Aufständische könnten auch Familienkonflikte sein. Typisch seien die schnell wechselnden Koalitionen.
Grundidee von Bevölkerungsorientierung (population centric) sei, sich in die Sicht der Bevölkerung zu versetzen. In Dorf A wird z.B. Sicherheit durch Taliban gewährleistet, in Dorf B durch lokale Machthaber, in Dorf C durch HIG. Die Dörfer selbst seien stabil, ein Zehnter werde erhoben. Aber unsicher wird es zwischen A und B. An Checkpoints werden zusätzliche Abgaben erhoben.
Wenn wir zusammen mit den ANSF in ein Dorf kommen, bringen wir mit Regierungsautorität zunächst Unsicherheit. Da muss dann Vertrauen zurückgewonnen werden. Das braucht Zeit, sichtbare Präsenz und schnell sichtbare Verbesserung er Lebensumstände. Hier kommt CIMIC ins Spiel. Die Leute hätten zunächst Angst, mit uns zu reden. Beim Key-Leader-Engagement werde wohl miteinander geredet, aber Belangloses. „Door Opener“ sind Gebetsteppiche, Generatoren.
Die große Gastfreundschaft geht mit großem Neid einher. Dorf A will eine eigene Schule, obwohl in drei km Entfernung in Dorf B schon eine Schule existiert. Aber beide Dörfer stehen im Konflikt miteinander. (…)
Ein Interkultureller Einsatzberater gibt zu bedenken, dass die Baghlan-Operation wie bei einem Luftballon wirke. Druck an der einen Stelle führe zur Ausbeulung an anderer Stelle. Die Aufständischen seien nach Aliabad (angrenzender Distrikt der Provinz Kunduz) ausgewichen.

Die weitere Entwicklung in Baghlan schildert Ulrike Demmer im Oktober im SPIEGEL (41/2010). (Im Unterschied zu früher darf sich jetzt auch ein verantwortlicher Offizier, der uns bekannte Hauptmann A., gegenüber der Presse frei äußern.)
Ende September griffen ca. 60 Kämpfer mit Handfeuerwaffen und Panzerfäusten das Dorf Shahabuddin an. Hier hatte eine Dorfschura übergelaufenen ehemaligen HIG-Kämpfern erlaubt, im Rahmen des Reintegrationsprogramms eine Stellung zu halten. Über vier Tage dauern die Feuergefechte. Es soll das größte Gefecht gewesen sein, das Bundeswehrsoldaten bisher erlebten. Fünf der Anti-Talibankämpfer starben. Zwei Wochen erfolgte ein weiterer Angriff auf Shahabuddin. Am 7. Oktober näherte sich ein angeblich Hilfsbedürftiger einem Sanitätssoldaten und sprengt sich in die Luft. 14 Soldaten werden verletzt. Getötet wurde der 26-jährige San-Oberfeldwebel Florian Pauli. (Nach dem Freiwilligen Sozialen Jahr und dreijährige Ausbildung zum Rettungssanitäter hatte er sich freiwillig zum Bund gemeldet.) Einen Tag später fielen einem Anschlag in der Moschee von Taloqan der Gouverneur von Kunduz und 14 Personen zum Opfer.
Am 16. Januar 2011 wurden in Baghlan neun Zivilpersonen, darunter sechs Frauen und ein Kind, durch ein IED in einem Fahrzeug auf dem Weg nach Shahabuddin ermordet.“

Reisebericht Juli 2011 („Erste, aber flackernde Lichtblicke seit Jahren – Kurzbesuch in Mazar und Kunduz“. http://nachtwei.de/index.php?module=articles&func=display&aid=1067 )
Auszug „Task Force Kunduz
Sie wird im Wesentlichen von der Saarlandbrigade mit 650 Soldaten gestellt. Die 2. und 3. Kompanie waren auch 2008 hier im Einsatz.
Ihr Auftrag: (a) Die bisher erzielten Erfolge im Distrikt Chahar Darreh (CDR) durch die Operation „Aghas-e Bahar“ halten und ausbauen, eigenen Einfluss Richtung Ali Abad erweitern; (b) Unterstützung der Polizeiausbildung in Feyzabad mit einer Infanteriegruppe; (c) Partnering mit ANSF. Das Operationsgebiet erstreckt sich über 35 km Nord-Süd und 27 km Ost-West im Raum westlich von PRT und Stadt Kunduz.
Im Juli 2010 war hier eine Aufständischenhochburg, war die eigene Bewegungsfreiheit eingeschränkt, agierten ISAF/Bundeswehr und ANSF aus der Defensive, während die Aufständischen expandierten. Im südlichen CDR bis 100 Mann, im nördlichen CDR ca. 120, nördlich davon ca. 200, insgesamt mehr als 500.
Änderungen bis Februar 2011: Die früheren no-go-areas sind nicht mehr, vollständige Bewegungsfreiheit, Agieren in der Offensive, keine Aufständische in den früheren Hochburgen und an den Versorgungsrouten. Ab Februar Beginn der Reinfiltration. Im März Selbstmordattentäter gezielt gegen VIP`s und Objekte der Regierung und ANSF, in CDR wieder erste IED`s gegen ISAF. In den ersten Aprilwochen hält dieser Trend an.
Man warte auf die Frühjahrsoffensive. Zzt. „machen wir die“.
Feldwebel, die 2008 hier waren, sagen einhellig: Im Vergleich zu 2008 habe sich die Lage um 180° gedreht, „das Spiel gewendet“.
Auch in den ehemaligen Hochburgen der Aufständischen sei die Reaktion der Bevölkerung positiv. Ihre Botschaft: „Wir arbeiten mit euch zusammen, wenn ihr unsere Sicherheit garantiert. Wenn aber nachts die Männer mit den Kalaschnikows kommen …!?“
(Der ANSO QUARTERLY DATA REPORT Q. 1 2011 bestätigt diese erstmaligen Lichtblicke seit etlichen Jahren: Die Angriffe der bewaffneten Opposition gingen im 1. Quartal 2011 ggb. dem 1. Quartal 2010 in Kunduz von 79 auf 46 (-42%), in Baghlan von 35 auf 16 (-54%), in Takhar um 74% auf 5, in Sar-e Pul um 10% auf 19 zurück. Dem standen allerdings Zunahmen in bisher ruhigen Provinzen gegenüber: Jawzjian um 175% auf 33, in Badakhshan um 175% auf 11, in Balkh um 121% auf 31, in Fayab um 45% auf 55, in Samangan von 0 auf 2. The Afghanistan NGO Safety Office, www.afgnso.org)
Man ist sich bewusst, dass diese positive Entwicklung eine Momentaufnahme und noch kein Grund zur Beruhigung ist. Die Stunden der Wahrheit kämen im Sommer.

Das Partnering mit der ANA (1. Kandak) geht über das belgische OMLT. Dieses kann unabhängig operieren und wird ausdrücklich gelobt. Probleme macht das Selbstverständnis der ANA, die sich nur für die Clear-Phase, nicht aber die Hold-Phase für zuständig sieht. Dagegen laufe das Partnering mit der ANP täglich. Ihr Chef sei schon seit Jahren CDR. Die ANP habe in CDR ein gutes Ansehen.

Gliederung der TF: im Kern zwei Infanterie-Kompanien mit je einem Zug Panzergrenadiere (je vier Marder). Der 1. Kompanie sind drei Panzerhaubitzen 2000 zugeordnet (zwei im OP North Baghlan). Mit ihren werde fast der ganze Operationsraum abgedeckt. Beim (scharfen) Wirkungsschießen sei die Haubitze das dritte Mittel nach Luftwaffe und Hubschraubern. Seit Januar kein einziger scharfer Schuss. (Zum Vergleich: in Faryab im Nordwesten drei bis vier Mal pro Woche scharfer Mörsereinsatz)
Dislozierung: Vier Stützpunkte außerhalb des PRT – das ANP Headquarter in CDR, Höhe 432 (Gräben und Heskos, „wie 1. Weltkrieg“), J 92 (Zugang zur Westplatte, nur zeitweilig besetzt), Combat Outpost (COP) Quatliam (seit Januar). Die Soldaten sind jeweils zehn Tage und länger draußen, von 30 Tagen vielleicht acht im PRT. Der gewünschte Besuch von Minister Niebel im COP hätte 20 Mann zusätzlich erfordert und wurde deshalb abgelehnt.
Der gegenwärtige Einsatz bindet alle Kräfte fast durchgängig. Die Soldaten sind durch das hohe Operationstempo stark belastet – bei einer Stehzeit von inzwischen einem halben Jahr.
Kompaniechefs und Spieße der Saarlandbrigade: ´Wenn wir nichts machen, rutscht alles wieder weg. Eigentlich habe man zu wenig Kräfte für den Raum. Beide Task Forces seien voll gebunden. Man habe keine Reserve. Notwendig sei eine dritte TF als bewegliches Element.
In der am 13.4. von der ARD ausgestrahlten Dokumentation „Papi ist im Krieg“ war auffällig, dass Soldaten ihren Angehörigen lieber nicht erzählen, was sie tun. Das gelte auch hier: Darüber rede man lieber nicht, das schaffe nur Unruhe.

COIN-Phasen: Nach dem CLEAR das HOLD: Um Rückhalt in der Bevölkerung zu stärken und ein Wiedererstarken der Aufständischen zu verhindern, seien jetzt in CDR schnelle Aufbauprojekte vordringlich. Für diese brauche man gar nicht so viel Geld. Im Rahmen der Strukturen des National Solidarity Program vor allem Brunnen, Schottern von Straßen, Wasserspeicher. Das brauche zwei Monate Vorlauf und sei schnell abgeschlossen. Hierfür stehen AA-Gelder zur Verfügung. Die EZ-Durchführungsorganisationen brauchen wegen ihrer anderen Planungszyklen länger.
(…)
PRT Kunduz am Morgen
Bei Kurzbesuchen brauche ich kaum Schlaf. Vor 6.00 Uhr spaziere ich durch das morgenstille Feldlager. Blanke Luft, blanker blauer Himmel. In einer Ecke des Camps fällt der Blick auf ein extra abgeschirmtes Lager mit auffällig großen Sattelitenschüsseln. Das riecht nach Spezialkräften. Auf dem nahen Flugfeld stehen fünf Hubschrauber, davon drei MedEvac. Daneben sechs Marder. Das sind auf einen Blick die gegenüber 2008 vervielfachten militärischen Fähigkeiten.
Weit zieht sich die Mauer mit Plattformen in Abständen. Blick auf`s Vorfeld: Hinter der Abbruchkante der Platte liegt die Landschaft im Morgendunst. Jede Minute zieht auf der Mauerpiste ein Jogger vorbei. Blick zurück auf das inzwischen riesige Feldlager mit seinen Antennen und Fahnen. Ein eigener Planet. Ich denke zurück an das kleine, primitive PRT Anfang 2004 inmitten der Stadt, umgeben von einer landesüblichen Lehmmauer, wo der gute Kontakt zu den Nachbarn als bester Schutz galt.
Alles liegt in tiefstem Morgenfrieden.
Zufallsbegegnung mit jungen Panzergrenadieren aus Augustdorf bei ihrem Frühstück, Kaffee mit Fladenbrot. Vor ihrem Unterkunftsgebäude hängen an einer Ziegelmauer sieben Kreuze mit den Namen von sieben Gefallenen. Darüber „In ewiger Treue“. Robust sprechen sie mich an, diesen Überraschungsbesucher aus der fernen und verdächtigen Politik. Ob die Politiker denn überhaupt wüssten, was hier laufe? Ob ich wüsste, was am 18. Februar passiert sei. Zwei von ihnen waren bei dem Angriff auf den Marder dabei. Vermutet wird, dass da eine besondere Munition gegen den Marder zum Einsatz gekommen sei.
Der Morgenfrieden wird zu einem schönen Moment, einer dünnen Haut, die einige Kilometer weiter jederzeit zerplatzen kann – für die Jung`s vielleicht in ein paar Stunden.
(…)
Zusammenfassung und Nachtrag drei Monate später
Beim Besuch in Nord-AFG im August 2010 waren erste Wirkungen des gesteigerten Kräfteansatzes und der offensiveren Operationsweise erkennbar. In Nord-Baghlan konnte die dt. QRF, übergegangen in die Task Force Mazar, mit ANSF und US-Kräften Aufständische zurückdrängen. Diese Linie setzte sich im November und Dezember 2010 fort, als Aufständische aus ihren Hochburgen in Chahar Darreh und Imam Sahib/Kunduz verdrängt wurden. In no-go-areas von 2009/2010 konnten seit Jahreswende Initiative und Bewegungsfreiheit zurück gewonnen werden. In den ersten Monaten des Jahres geschahen keine komplexen Angriffe auf ISAF mehr. Dass das Mobilfunknetz in der Provinz Kunduz seit Anfang Januar wieder rund um die Uhr aktiv ist, nachdem die Taliban im Frühjahr 2010 seine Abschaltung während der Dunkelheit erzwungen hatten, war ein wichtiger Indikator.
Diese seit Jahren erstmaligen Lichtblicke wurden bekräftigt bei unserem Kurzbesuch im April und bestätigt durch den ersten Quartalsbericht 2011 von ANSO. (s.o.)
Lt. UNAMA nahm die Zugänglichkeit von Distrikten für öffentliche Bedienstete landesweit im Mai 2011 erstmalig seit März 2009 wieder etwas zu. (PPU Blue Sky Paper 014) Im Nordosten galten knapp 40 der Distrikte als 100% zugänglich, 26 zu 80-99%, weniger als 5 unter 50%. (…)

Reisebericht Mai 2012 („Rückzug aus der Verantwortung?“, http://nachtwei.de/index.php?module=articles&func=display&aid=1183 )
„Annäherung
(…) In Kunduz wie in Mazar führen die ersten Wege zu den Ehrenhainen: Mauern, in die Plaketten mit den Namen der hier gefallenen deutschen und verbündeten Soldaten eingelassen sind. Viele Namen sind mir bekannt, mit den jeweiligen Anschlägen und Gefechten, mit den Trauerfeiern für sie in Zweibrücken, Seedorf, Regen, Hannover, Detmold Was bisher ein stilles Gedenken war, wird in Mazar zu einer kleinen Andacht mit zwei Militärgeistlichen. Wenige Tage zuvor fand eine Hinterbliebenenreise statt. Zwei junge Witwen von im April 2010 gefallenen Soldaten, begleitet von Birgitt Heidinger, Beauftragte des BMVg für Familie und Dienst/Hinterbliebene, besuchten die Orte, wo ihre Männer zuletzt eingesetzt waren. An dem Black-Hawk-Hubschrauber, der vor zwei Jahren den schwerst-verwundeten Hauptfeldwebel Nils Bruns ins PRT geflogen hatte, trafen sie zufällig auch den US-Piloten von damals.

KUNDUZ
PRT Kunduz: Insgesamt sind auf dem PRT-Gelände 2.040 Personen stationiert, davon ca. 1.400 Deutsche. Diese setzen sich zusammen aus ca. 500 Soldaten des PRT, 120 Soldaten im Rahmen der OMLT, über 600 der Task Force Kunduz, zusätzlich Task Force 47 (Spezialkräfte). Das Auswärtige Amt ist mit acht MitarbeiterInnen vertreten, das German Police Project Team umfasst 24 Beamte. Die EZ-MitarbeiterInnen leben und arbeiten richtigerweise außerhalb des PRT. Im PRT ist „nur“ die BMZ-Vertreterin, die dank ihres afghanischen Hintergrundes und ihrer langen Präsenz vor Ort ganz besonders orts- und menschenkundig ist. Das niederländische Kontingent umfasst 320 Personen.
Ursprünglich sollte in diesen Monaten das PRT Kunduz in zivile Leitung übergehen – wie zuvor in Feyzabad. Aber es habe Widerstände vom BMVg gegeben. Nun solle die Leitungsübergabe Ende des Jahres erfolgen.
Bilateral heißt es von ziviler Seite, dass die Ressortzusammenarbeit ganz in Ordnung sei. Allerdings gehe man als Zivilist in der Masse der Militärs etwas unter. Die „gleiche Augenhöhe“ sei für Militärs auch etwas schwierig. Es gebe gelegentlich eine Neigung zur Vereinnahmung. (…)

Militärische Lage
Im ersten Quartal gab es in der Provinz 140 Sicherheitsvorfälle, in ganz 2011 waren es 828. Sorgen bereiten die Distrikte Archi, Aliabad und das nördliche Chahar Darreh. Hauptangriffsmittel der Aufständischen sind Sprengfallen (IED). Hauptziele sind Polizeichefs und ähnliche Autoritäten. Bei einem Angriff auf den Kommandeur der Polizeispezialeinheit kürzlich in Kunduz überlebte er wohl. Seine Tochter wurde aber schwer verwundet.
Insgesamt fühlen sich die Menschen sicherer, habe sich die Bewegungsfreiheit verbessert. Allerdings: Bei Vergleichen kommt es auf das Vergleichsjahr an: Gegenüber 2010 ist die Verbesserung auffällig – aber das war auch das schlimmste Jahr. Besser als 2008 sei die Lage noch nicht. Das Afghanistan NGO Security Office (ANSO) komme auch zu einer skeptischeren Bewertung der Sicherheitsentwicklung. (vgl. meine aktuelle Übersicht Sicherheitsvorfälle in Afghanistan Nord und landesweit 2012, bis 22. Mai, http://nachtwei.de/index.php?module=articles&func=display&aid=1142 )
Aktualisierung: Der 3. Quartalsbericht 2012 von ANSO vom Oktober meldet für die Provinz Kunduz einen Rückgang der Aufständischen-Attacken um 27% auf 132 ggb. 180 im Vorjahrszeitraum.
Im Fokus der militärischen Operationsführung steht weiterhin der strategisch bedeutsame Nord-Süd-Korridor. Die TF Kunduz steht im Südwesten der Provinz, ein US-Bataillon in Imam Shahib im Norden (es schrumpft demnächst). Die Niederländer unterstützen die Polizeiausbildung in Kunduz, Khanabad und später Archi. Der PRT-Kommandeur als Raumverantwortlicher ist für die Koordination der Kräfte verantwortlich. Er selbst verfügt nur noch über begrenzte eigene militärische Kräfte. Die drei CIMC-Teams bestehen aus je einem Offizier, einem Unteroffizier. Im Keyleaderboard fließen verschiedene Elemente der zivilen Lage zusammen.
Der Kommandeur ist fast täglich draußen. Alle ca. sechs Wochen geht es in die Distrikte, Essen und Gespräche mit ca. 30 Personen, lokalen Autoritäten, am Samstag z.B. nach Imam Shahib, wo die US-Kräfte abziehen und die Niederländer hinkommen.
In Taloqan/Takhar wurde das Provincial Advisory Team (PAT) aufgelöst, am 29. Februar auch die Außenstelle Taloqan der deutschen Botschaft geschlossen. Jetzt sei nur noch ein AA`ler dort und EZ. Noch bestehe persönlicher Kontakt zum Gouverneur. Aber das werde irgendwann auslaufen. Damit wird auch das Lagebild zu dieser zwischen Kunduz und Badakhshan gelegenen Provinz immer gröber und oberflächlicher. Zu bedenken sei aber, dass das kleine PAT vorher eher ein Anlaufpunkt war und nicht sonderlich zur Sicherheit der Provinz beigetragen hätte. Die Afghanen würden hier ihre Angelegenheiten im Wesentlichen selbst klären.

Task Force Kunduz: „Es kommt auf jeden an!“
Die TF besteht aus zwei Infanteriekompanien, einer Pionier-, einer Aufklärungs- und einer Kompanie für verschiedene Teilfähigkeiten. Die TF verfügt über keine Reserven. 80% der Task Force stammt aus der Panzergrenadierbrigade 41 „Vorpommern“, 51% aus dem PzGrenBtl 411. Seit April 2011 wurde die Truppe zusammengeführt.
Auftrag ist die Unterstützung der afg. Operationsführung und der Ausbildung der Sicherheitskräfte durch Niederlande u.a. Hauptbedrohungen sind IED`s.
Einsatzraum ist vor allem das nördliche Chahar Darreh (die ANA im Süden des Distrikts) und Aliabad (LOC Pluto). Die Verbindungsstrecken (Lines of Communication, LOC) sind die Lebensadern. Die LOC Kamins, Hauptverbindungsstrecke durch Chahar Darreh, ist einer breiter Feldweg. Manche LOC ist gut bewacht. Anderswo kann es 6 Stunden für einen Kilometer brauchen.
Partner sind ANP, ANA und dt. Berater der 2. Brigade, belg. Berater des 1. ANA-Kandak (Bataillon), die Distriktgouverneure von Chahar Darreh und Aliabad, das PRT Kunduz, die Task Force 47, die mit afg. Spezialkräften zusammenwirkt.
Das Partnering läuft genau besehen nicht „Schulter an Schulter“, sondern einander ergänzend auf Ebene der Kompanien und Züge.
Das eigene Auftreten stehe unter der Devise „stark-freundlich-respektvoll-rücksichtsvoll“:
Ein von vorneherein starkes und militärisch-abschreckendes Auftreten vermeide, zum Gelegenheitsziel zu werden. Freundlichkeit gegenüber der Bevölkerung, Respekt in der Zusammenarbeit mit afg. Kräften. Es komme darauf an, Vertrauen zu erwerben. Hüten müsse man sich, Afghanen zu beleidigen. Bloß nicht über Afghanen lachen, mit ihnen lachen selbstverständlich. Unterwegs werde viel gewunken. Die Leute sähen von weitem durch die Panzerscheibe, ob Soldaten mit dem Kopf nicken, winken. (Das erinnert an die Anfangsjahre des AFG-Einsatzes. Seit Jahren schien es mit der Winkerei vorbei zu sein. Ich hoffe, dass die Beobachtungen stimmen – und nicht eine schöne Geschichte für die Besucher aus Deutschland sind.)
In den bisherigen vier Monaten des Einsatzes sei nichts passiert, habe man Glück gehabt. Die Panzerhaubitze musste keinen Schuss abgeben, nicht mal Nebelgranaten. (Am 25. Mai kommt es gegen 8.45 Uhr 11 km entfernt vom PRT Kunduz zu einem Sprengstoffanschlag gegen eine dt. Patrouille, nur Sachschaden, kein Personenschaden.)
Die Task Forces (Ausbildungs- und Schutzbataillone) sollen gemäß dem Security-Force-Assistance-Konzept ab Juli 2012 umgegliedert und mit den bisherigen OMLT zusammengeführt werden. Nach Wegfall einer Infanterie-Kompanie besteht die künftige „Partnering + Advisory Task Force“/PATF aus einer kampfstarken Partnering-Kompanie (zugleich Quick Reaction Unit), einer Aufklärungs-Kp, einer verminderten Pionier-Kp, einer Stabs- und Versorgungs-Kp sowie mit Schutzkräften verstärkte Advisory-Teams auf Kandak(Bataillons)-Ebene.
Aktualisierung: Nach Abschluss der Umstrukturierung erfolgte die Umbenennung der PATF Mazar und Kunduz am 14. Und 16. Juli.
Künftig habe die TF keinen eigenen Gefechtsstand mehr, werde nur noch Einzelfähigkeiten wie Artillerie, Aufklärung, Pioniergerät stellen.
(…) Geräteschau der Intermediate Reaction Force Alpha (IRF) zum Einsatz in der ganzen Provinz. Die IRF besteht aus zwei Zügen mit je vier Marder. Diese Mini-QRF sei „überall willkommen“. Auch die US-Streitkräfte hätten nichts Vergleichbares. Zuletzt war die IRF 24 und 21 Tage draußen. Die einsatzvorbereitende Ausbildung für die IRF-Soldaten lief seit Januar 2011, also über ein Jahr. An 25 Wochenenden waren die Soldaten nicht zuhause. 60% des Zuges waren schon mal in Afghanistan, manche viermal. Die Ausstattung eines Truppführers: Weste 15 kg, Waffe 3,5 kg, Funkgerät 12 kg (mit Antenne 25 km Reichweite, top!). Das hat man bei bestimmten Operationen 23 Stunden an. Auf meine Frage, wie lange man so ein Gewicht tragen könne, die Antwort: Wie es nötig sei. Aktiver Hörschutz kostet 900 EUR: Er lässt Funksprüche durch und hält nur Schockwellen ab. Ein Teil der Funkgeräte sei aus der Steinzeit, keine Vereinheitlichung! In Dörfern reichen die Geräte manchmal keine 300 m weit.

Aufbau + Entwicklung
Für die deutsche EZ arbeiten in der Provinz 25 internationale und mehr als 250 lokale Kräfte.
(Landesweit sind es 325 internationale und 1.500 lokale, insgesamt über 1.800.)
2010 gab es in der Provinz einige No-go-Areas. Heute sei die komplette Provinz für Projektarbeit wieder zugänglich – natürlich mit Hilfe des Risk Management Offices. Jeder Besuch sei machbar.
Zzt. laufen in der Provinz 65 dt. EZ-Projekte, 12 sind in Planung. 22 der laufenden Projekte wurden durch den paritätisch besetzten Provincial Development Funds (PDF) beschlossen.
In der Provinzverwaltung gebe es einiges an Frustration. Notwendig wären Mentoring-Projekte für /(kleine) Departements. Zu schaffen mache der dominierende Klientelismus: An allererster Stelle stehe die eigene Familie, dann der Clan, das Dorf, weit weg ist schon die Provinz – und ganz weit weg sei Afghanistan. Das gehe mit viel Missgunst einher.
Förderung von Verwaltungsfähigkeit und Staatlichkeit: Da könne man nur sehr begrenzt was schaffen. Es sei eine Illusion, in einer Gesellschaft von informellen und persönlichen Beziehungen schnell Verwaltungsfähigkeit etablieren zu können. Hier müsse man erkennen, was man nicht ändern könne.
Aber es gebe Anzeichen eines Generationenwechsels: Endzwanziger, v.a. Juristen rücken in verantwortliche Positionen. Z.B. der Bürgermeister von Kunduz, die Distriktgouverneure von Imam Shahib und Chahar Darreh.
Seit 2010 liege der Schwerpunkt auf Förderung guter Regierungsführung. Die Finanzierung erfolgt über zwei deutsche Regionalfonds für Infrastruktur und Kapazitätenentwicklung. Das National Solidarity Program wird zu 100% von der afghanischen Seite getragen. (Das NSP entstand 2003 und untersteht dem Ministerium für ländlichen Wiederaufbau und Entwicklung. In fast 30.000 ländlichen Gemeinden gibt es gewählte Community Development Councils; Berichte und aktuelle Daten unter www.ndpafghanistan.org )

Polizeiaufbau
Das Police Training Center Kunduz umfasst 500 Ausbildungsplätze und soll Mitte 2013 voll übergeben werden. Ausgebildet wird nach Curricula des afg. Innenministeriums.
Im Polizei-Compound von GPPT und EUPOL erleben wir eine Abschieds- und Einstiegsfeier für zwei leitende Polizisten. Ein Bundespolizist begrüßt mich mit „Willkommen im Paradies!“ Es ist etwas ironisch, aber vor allem ernst gemeint. Denn die Stimmung am Abend und einige Einzelgespräche offenbaren einen sehr guten Zusammenhalt. Eine Beamtin war vorher in Feyzabad gewesen. Das gefiel ihr so sehr, dass sie sich für Kunduz meldete. Reizvoll hier seien die anderen Erfahrungen, die Eigenständigkeit und der Zusammenhalt. Ein alter Hase war in Bosnien, Kosovo, Georgien. Etliche erfahrene IPM-Polizisten kennen wir gemeinsam., z.B. aus NRW Stefan Feller und Tom Litges.
Polizeiausbilder, die erst kürzer hier sind, berichten von den mageren Voraussetzungen der Polizeirekruten. Aber sie würden sich anstrengen, Fortschritte seien sichtbar. Ein persönlicher Gewinn sei der Kontakt mit einer ganz anderen Welt, die Relativierung der Verhältnisse in Deutschland. Als Polizist aus der Frankfurter Bahnhofsgegend verstehe man jetzt die Hintergründe von Afghanen und anderen Migranten besser.

Rundgang am frühen Morgen
Wie bei früheren Besuchen nutze ich die frühen Morgenstunden ab 5.30 Uhr für einen Rundgang durchs Feldlager. Zu dieser Zeit sieht alles aus wie heller Frieden. Die Begrünung des PRT-Geländes kommt voran. Bäume haben inzwischen mittlere Höhe erreicht und überragen die Unterkunftsgebäude. Zwischen den Gebäuden große Rosenbeete, am Flugfeld rote Flecken von dicht wachsendem Klatschmohn. Der Innenhof unseres Unterkunfts-gebäudes „Augsburg“ ist wieder eine regelrechte Oase. Auf einem Gebäude des Polizei-Compounds dient die Dachterrasse zum Sonnenbaden und als Aussichtsplattform.
Am Flugfeld ein kleiner „privater“ Ehrenhain mit sieben Kreuzen für HFw Nils Bruns, 35 Jahre (gefallen 2.4.2010), StGefr Robert Hartert, 25 Jahre (2.4.2010), HGefr Martin Augustyniak, 28 Jahre (2.4.2010), HGefr Sergej Motz, 21 Jahre (29.4.2009), HFw Mischa Meier, 29 Jahre (27.8.2008), StGefr Roman Schmidt, 22 Jahre (20.10.2008), SrUffz Patrick Behlke, 25 Jahre (20.10.2008). Daneben ein Schildkrötengehege:
„Im Gedenken an unsere gefallenen Kameraden der 2./InfTF KDZ ist dieses
Schildkrötengehege entstanden. Die Soldaten der 2./InfTF KDZ verpflichten sich,
diesen Ehrenhain und die dazu gehörigen Schildkröten zu pflegen. In mühevoller Kleinarbeit über mehrere Kontingente wurde der Ehrenhain am 06.12.2011 fertiggestellt.
Schildkröten symbolisieren in diesem Land „ewiges Leben“.
Damit unsere gefallenen Kameraden in unseren Gedanken immer weiter leben,
halten wir für jeden Kameraden eine Schildkröte.
Schenkel, OStFw u. KpFw, 2./PzGrenLehrBtl 92 06.12.2011“

Bericht der Kommission zur Untersuchung des Einsatzes des G36-Sturmgewehres in Gefechtssituationen, Oktober 2015, Auszüge
(…)
Seit Einführung des G36 im Jahr 1996 hat die Bundeswehr an multinationalen Einsätzen in weit über 20 Einsatzgebieten teilgenommen. Dabei war sie im Rahmen des Völkerrechts generell zur Selbstverteidigung, teilweise zur Durchsetzung der Mandatsziele zum Einsatz militärischer Gewalt legitimiert.
Bei diesen Einsätzen kam es in höchst unterschiedlichem Maße zu Schusswaffeneinsätzen, in Afghanistan auch zu Gefechten verschiedener Intensität.
Beim Bundeswehreinsatz in Bosnien-Herzegowina im Rahmen SFOR und ALTHEA bis 2012 gab es nach Erkenntnis der Kommission keine Feuergefechte.
Gleiches gilt für den Einsatz im Rahmen von EUFOR DR Congo 2006.
Auch bei den Marineeinsätzen am Horn von Afrika (OEF, ATALANTA) ab 2001 bzw. 2008 wurde kein Schusswaffeneinsatz mit G36 gemeldet.
Beim Einsatz der Bundeswehr im Kosovo (KFOR) kam es nur in wenigen Fällen zum Schusswaffeneinsatz .
Beim Einsatz deutscher Spezialkräfte im Rahmen der Operation Enduring Freedom Afghanistan kam es im ersten Einsatzjahr 2002 entgegen vielen Befürchtungen zu keinen Schusswechseln. Keiner der eingesetzten Soldaten kam in dieser Zeit zu Schaden. Durch die deutschen Soldaten wurde niemand direkt verwundet oder getötet .
Beim Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan (ISAF) wurde von 2001 bis 2005 nur ein Schusswechsel gemeldet. Bei sieben Angriffen mit Sprengfallen gab es in diesen vier Jahren acht Gefallene und über 40 Verwundete .
Ab 2006 verschärfte sich die Sicherheitslage. In diesem Jahr war die Bundeswehr mit ca. 15 Feindkontakten konfrontiert. Sechs Mal kam es dabei von Seiten der Bundeswehrsoldaten zum Schusswaffengebrauch. Der Stabilisierungseinsatz der Präsenzpatrouillen, Gesprächsaufklärung, Verbindungsarbeit, CIMIC-Operationen wurde zunehmend mit einem Guerilla- und Terrorkrieg konfrontiert, ab 2009 vermehrt mit komplexen Angriffen. Mit dem Strategiewechsel von ISAF zur umfassenden Bekämpfung Aufständischer (Counterinsurgen-cy) und dem damit verbundenen Aufwuchs eigener Kräfte („Surge“) schwenkte auch der Bundeswehreinsatz sukzessive auf diese Zielsetzung um: Schwächung der Aufständischen durch direkte militärische Bekämpfung und insbesondere durch das Gewinnen des Rückhaltes der Bevölkerung über die Phasen des „Shape, Clear, Hold and Build“. Die Erfolgsaussichten der Counterinsurgency-Strategie unter den gesellschaftlichen Bedingungen Afghanistans stehen hier nicht zur Debatte. Lage und Operationsführung unterschieden sich aber zwischen den verschiedenen Provinzen, Distrikten und Gebieten erheblich. Während Distrikte wie Chahar Darreh in der Provinz Kunduz regelrechte Kampfzonen waren, konnten sich in anderen Distrikten (z.B. der Provinz Balkh) Aufbauhelfer noch relativ frei bewegen.
Auch die Bundeswehr konnte sich der kriegerischen Auseinandersetzung nicht mehr entziehen. Diese erreichte in den Jahren 2010/2011 ihren Höhepunkt mit 159 Feindkontakten (106 im Raum Kunduz, 36 im Raum Baghlan), darunter 65 Feuergefechte mit eigenem Schusswaffengebrauch und 15 Gefallenen sowie 114 körperlich Verwundeten.
Insgesamt waren Bundeswehrsoldaten seit 2002 in Afghanistan über 380 Mal mit gegnerischen Angriffen konfrontiert. Mindestens 150 Mal standen sie seit 2006 in Schusswechseln. Seit Beginn des Afghanistan-Einsatzes sind 35 deutsche Soldaten durch unmittelbare Feindeinwirkung gefallen und wurden insgesamt über 260 körperlich verwundet .
(…)
Die Feindkontakte der ersten Jahre bestanden in Selbstmordanschlägen, Sprengfallen und Hinterhalten mit (Panzerabwehr-) Handwaffen sowie ungelenkten Raketen. Ab 2009 kam es zunehmend zu komplexen, militärisch geführten Angriffen der Aufständischen.
Die Feuereröffnung geschah in der Regel durch die Aufständischen mit dem Vorteil der Geländekenntnis und der Überraschung gegen die für den Gegner leicht erkennbaren ISAF-Kräfte.
Die Aufständischen klärten die ISAF-Kräfte im Vorfeld genau auf, um diese möglichst wirksam ansprengen und bekämpfen zu können. Die Treffgenauigkeit der gegnerischen Schützen war überwiegend schlecht. In Einzelfällen verfügten sie aber auch über gut ausgebildete Scharfschützen.
Bei Hinterhalten der ersten Jahre war auf Bundeswehrseite die vorherrschende Reaktionsweise, den Gegner niederzuhalten und sich von ihm zu lösen (Primärziel Selbstschutz).
Mit den komplexen Angriffen und der eigenen offensiveren Einsatztaktik (bis movement to contact) ab 2009 nahmen die Bundeswehrkräfte den Feuerkampf auf. Ihr Primärziel war jetzt Rückgewinnung der Initiative und vermehrt Gegnerbekämpfung: zunächst erstes Reaktionsschießen – bei abgesessenen Kräften vor allem mit dem G36 – in Richtung der meist nicht genau lokalisierbaren feindlichen Schützen, in der Regel mit schnellem Einzelfeuer. In dieser Phase ging es darum, die eigene Feuerüberlegenheit herzustellen. Durchgängig betonten die Soldaten den Vorrang des schnellen Einzelfeuers, um bessere Wirkung im Ziel zu erreichen und um sparsam mit der Munition umzugehen (Feuerzucht).
Vereinzelt kam es in der ersten Reaktion auch zu Feuerstößen – zum Niederhalten des Gegners, unter der extremen Anspannung durch permanente IED-Gefahr („Ventil“), gelegentlich als „Angstschießen“ bei neuen Kontingenten. Nach erster Lagebeurteilung folgte dann möglichst schnell der Übergang zum geleiteten Feuerkampf durch die militärischen Führer. Dabei kamen rasch weitere Waffen des Waffenmix‘ zum Einsatz. Teilweise gaben die Führer ihren Soldaten die Feuereröffnung im Gefecht frei, um auf den Angreifer reagieren zu können. In jeder Phase sei strikt auf die Vermeidung von Zivilopfern geachtet worden. Wurden mutmaßliche Zivilisten im Gefechtsfeld gesichtet, wurde das Feuer eingestellt.
Auf geringere Kampfentfernung konnte es zur Abwehr eines Feindes über Doppelschüsse hinaus zu (kurzen) Feuerstößen (Sturmabwehrschießen) kommen .
Berichtet wurde, dass Führer im Gefecht ihren Soldaten befahlen, neun bis zwölf Magazine direkt am Mann zu tragen. Trotzdem sei der Sperrbestand von 50% in Gefechten teilweise schnell erreicht worden. Schon deshalb müsste der Feuerstoß die Ausnahme bleiben. Ein Großteil der Soldaten erklärte, dass von einem „Herumballern“ bei den Gefechten keine Rede sein konnte.
Die Soldaten fühlten sich mit den in der Heimat vermittelten Ausbildungsinhalten gut vorbereitet. Das in der Einsatzvorbereitung Gelernte sei beherrscht und angewandt worden.
Gefechte wurden geführt auf Ebene eines verstärkten Zuges bis einer gesamten Kompanie, in Einzelfällen im Rahmen längerfristig vorgeplanter Operationen auch auf Bataillonsebene.
Gefechte dauerten von wenigen Minuten (IED, Selbstmordattentäter) über mehrere Stunden bis zu mehreren Tagen mit Gefechtspausen .
Kampfentfernungen reichten von 800m bis auf fünf Meter. Viele Feuerwechsel gingen über mehr als 200 m, der Hauptkampfentfernung des G36.
Bei Operationen außerhalb der Feldlager mussten die Soldaten ständig mit IED-Angriffen und Attacken aus jeder Himmelsrichtung rechnen. Über 10-14 Tage, teilweise auch mehrere Wochen, standen die Soldaten dabei unter permanenter Anspannung. Die existenzielle Bedrohung eines Gefechts löste je nach Verfassung der Soldaten unterschiedlich starken Stress aus. Psychische und physische Reaktionen sind normal. Soldaten sprechen von lähmender Angst, fokussierendem Respekt und körperlichen Reaktionen, wie Zittern. Hinzu kamen zum Teil extreme Temperaturen, im Sommer auf 40° bis 50° C im Schatten, im Schützenpanzer Marder vor Installation eines Kühlgeräts auf 80° C.
Angesichts der wachsenden Bedrohung durch Selbstmordattentäter mussten Soldaten an Kontrollpunkten in kürzester Zeit mögliche Bedrohungen erkennen und über Schusswaffeneinsatz selbständig entscheiden. Dabei standen sie immer wieder im Zielkonflikt zwischen Eigenschutz, Gefahrenabwehr und möglichster Rücksichtnahme auf die Zivilbevölkerung, zumal in einem Stabilisierungseinsatz. Erschwerend kamen oft ungünstige Sichtverhältnisse hinzu. Wenn Kraftfahrzeuge Haltesignale und Warnschüsse nicht beachteten und als Bedrohung gewertet wurden, schoss man möglichst zuerst in den Motorblock. So konnten etliche mutmaßliche Bedrohungen gestoppt werden. Es kam aber auch zu einzelnen tragischen Zwischenfällen, so am 28. August 2008, als bei Kunduz an einem Kontrollpunkt von afghanischer Armee, Polizei und Bundeswehr eine Frau und zwei Kinder in einem Kfz erschossen wurden. Insgesamt gingen die Bundeswehrsoldaten mit solchen hochriskanten Dilemma-Situationen sehr professionell und verantwortungsbewusst um.
(…)
Die Aussagen der befragten Soldaten zu ihren Erfahrungen mit dem G36, zu ihren Einsatz- und Gefechtserfahrungen zeugten durchweg von hoher Professionalität und Ernsthaftigkeit. Sie traten ausgesprochen verantwortungsbewusst und besonnen auf. Dass zur Erfüllung des militärischen Auftrages immer auch die besondere Rücksichtnahme auf die Zivilbevölkerung gehört, ist für unsere Soldaten offenkundig eine Selbstverständlichkeit.
Des Öfteren wiesen Soldaten darauf hin, dass, verglichen mit der von der Kommission untersuchten möglichen Gefährdung deutscher Soldaten im Zusammenhang mit den Eigenschaften des G36, andere Aspekte der Einsatzplanung und -ausstattung in Afghanistan mutmaßlich ein erheblich größeres Gefährdungspotenzial beinhaltet hätten.
Mit der Verschärfung der Lage ab 2008 in Teilen des deutschen Verantwortungsgebietes in Nordafghanistan beschränkte ein unzureichender Kräfteansatz (z.B. zu enge Obergrenzen, fehlende Reserven, langjähriger Mangel an Transport- und Kampfhubschraubern etc.) die Auftragserfüllung der deutschen ISAF-Kräfte und setzte sie zugleich erhöhten Risiken durch die erstarkende Aufstandsbewegung aus. Der unzureichende Kräfteansatz ging einher mit einer zeitweilig beschönigenden Lagedarstellung der politisch Verantwortlichen und einer Vernachlässigung insbesondere der polizeilichen Fähigkeiten im Rahmen des vernetzten Ansatzes.
Deutlich widerlegt wurde im Rahmen der Untersuchungen die verzerrende Darstellung von Auslandseinsätzen der Bundeswehr unterschiedslos als Kriegseinsätze. Viele Einsätze der Bundeswehr blieben – glücklicherweise – ohne jeglichen oder doch zumindest ohne einen nennenswerten Einsatz militärischer Gewalt.
Die Untersuchungen und vor allem die Gespräche der Kommission mit gefechtserfahrenen Soldaten führten hingegen durch die schärfsten Seiten des deutschen Einsatzes in Afghanistan – in die Welt des infanteristischen Kampfes Mann gegen Mann, „der oder ich“, Tod oder Leben. Die angesichts dieser Einsatzrealität erheblich intensivierte Ausbildung und insbesondere das Nahbereichsschießen verstärken die Dimension militärischer Gewaltausübung und konfrontieren den Soldaten viel direkter mit den Wirkungen seines Waffeneinsatzes.
Den Kommissionsmitgliedern wurde dabei erneut eindringlich deutlich, wie extrem die Anforderungen an Einsatzsoldaten in Bodenkämpfen sind.
Unsere persönlichen Begegnungen mit der kriegerischen Einsatzrealität der Bundeswehrsoldaten in Afghanistan bekräftigt unsere Grundhaltung, dass die politische Leitung und das Parlament höchst verantwortlich mit dem Einsatz von Soldaten der Bundeswehr umgehen müssen: bei der Einsatzentscheidung, bei der Einsatzausstattung und -führung, bei der Wirkungskontrolle und insbesondere auch gegenüber den Einsatzrückkehrern und deren Familien. Von diesen tragen etliche oft noch lange an den Einsatzfolgen, während ihre Auftraggeber längst mit anderen Aufgaben befasst sind.

Weitere Beiträge zu bundeswehreigener Traditionsbildung
Mai 2007: Unser Besuch in der Hoffnungsprovinz Kunduz, 14 Tage später Selbstmordanschlag auf dem Markt von Kunduz – Wendepunkt des deutschen AFG-Einsatzes, 14. Mai 2017, http://nachtwei.de/index.php?module=articles&func=display&aid=1471 (Solidaritätsresolution „So notwendig wie das Wasser zum Leben“ der Rechtsgelehrten, Ältestenvertreter, Lehrerschaft, Schülerinnen und Schüler, Jugendorganisationen und Handwerksgenossenschaft der Provinz Kunduz vom 24. Mai)
Festrede bei Empfang für Einsatzrückkehrer der Wehrverwaltung NRW + Hessen, 31.12.2016, http://nachtwei.de/index.php?module=articles&func=display&aid=1445
Feierstunde 20 Jahre “Lachen Helfen”: Meine Festrede, 9. September 2016, http://nachtwei.de/index.php?module=articles&func=display&aid=1425
Gelungener (4.) Tag des Peacekeepers: Hartnäckig für den Frieden in unfriedlicheren Zeiten, 05.06.2016, http://nachtwei.de/index.php?module=articles&func=display&catid=81&aid=1406, http://s337251796.online.de/2016/KW21/pdf/10003.pdf
20 Jahre Deutsch-Niederländisches Korps in Münster: Positive Kontinuitätsbrüche, Friedenschancen, August 2015, www.nachtwei.de/index.php?module=articles&func=display&aid=1370 , Fotos auf www.facebook.com/winfried.nachtwei
Einweihung des „Waldes der Erinnerung“ bei Potsdam, 20.11.2014, http://nachtwei.de/index.php?module=articles&func=display&aid=1326
Der Peacekeeping-General: Wegweiser in Zeiten des Umbruchs, Beitrag in: Des Friedens General: Manfred Eisele – vom Kriegsflüchtling um obersten Blauhelm (zu seinem 75. Geburtstag), 2013, http://nachtwei.de/index.php?module=articles&func=displayid=99&aid=1225
BOSNIEN: Brief an den Generalinspekteur der Bundeswehr anlässlich der Beendigung des Bosnieneinsatzes der Bundeswehr, 3. Oktober 2012, http://nachtwei.de/index.php?module=articles&func=display&catid=85&aid=1164
Gedenken an Henning von Tresckow, „Kopf und Herz“ des militärischen Widerstandes gegen Hitler: Vorbild für 888888888Staatsbürger in Uniform und Zivil, 22.07.2012, http://nachtwei.de/index.php?module=articles&func=display&aid=1149 (Beitrag zur Traditionsbildung)

((„Afghanistan mit vollem Einsatz“ – Rede des Hauptfeldwebel und Panzergrenadierzugführers Jan Hecht beim „Liebesmahl“ des 1 GE/NL Corps am 29. September 2011 in Münster Rathaus, Träger des Ehrenkreuzes der Bundeswehr für Tapferkeit wg. Basoz/Kunduz 4. Juni 2009))
Niederlande in Afghanistan 2006-2008, Berichtsauszüge, August 2010, http://nachtwei.de/index.php?module=articles&func=display&aid=997
Reise nach Georgien + Abchasien, Besuch des Denkmals für Oberstabsarzt Dieter Eissing, dem ersten durch feindliche Einwirkung um`s Leben gekommenen Bundeswehrsoldaten (zusammen mit weiteren acht Blauhelmen im UNOMIG-Hubschrauber am 2. Oktober 2001 im Kodori-Tal abgeschossen), Kurzmeldungen Friedens- und Sicherheitspolitik Nr. 3 April-Juni 2004, 5. Juni, http://nachtwei.de/tagebuch/tagebuch03.htm
Braucht die Bundeswehr Traditionen? In: Andreas Prüfert (Hrsg.), Bundeswehr und Tradition. Die Debatte um das künftige Geschichts- und Traditionsverständnis der Streitkräfte, Nomos 2000