"Neun Jahre Krieg - und Wofür?"

von Veteranenverband Bund Deutscher Veteranen

"US-Veteranen blicken verbittert nach Irak"

"4500 US-Soldaten starben im Irak-Krieg. Und nun: Droht das Land zu zerfallen, flüchten von Amerika ausgebildete Soldaten vor der ISIS. Viele Veteranen sind zunehmend verbittert: "Alles, wofür wir gekämpft haben, geht den Bach runter."", leitet tagesschau.de einen Artikel über Frust und Verbitterung amerikanischer Irak-Veteranen ein.

Die Motive sind nachvollziehbar: Nachdem die US-Soldaten zu Beginn des Einsatzes den Einsatzzweck mit Patriotismus und dem Glauben an das Gute getragen haben, hielt nur allzuschnell die ernüchternde Realität Einzug in den Alltag der Truppen. Sicherlich wollten viele von ihnen tatsächlich helfen, glaubten sogar daran, dass die Menschen vor Ort nach dem Sturz des Diktators besser dran wären. Aber das Vakuum nach Saddam Husseins Tod füllten schnell Kräfte aus, die der Diktator und Massenmörder unter Kontrolle hatte.
Heute kämpfen Sunniten und Shiiten erbittert um die Vorherrschaft und haben das Land in einen jahrelangen, blutigen Bürgerkrieg gestürzt.
Nachvollziehbar ist, dass sich amerikanische Kriegsveteranen heute fragen, was dieser Einsatz gebracht hat. Diese Frage betrifft einerseits den Irak als Land, andererseits sie als Soldaten in diesem Einsatz.
4500 Tote US Soldaten, tausende körperlich versehrte, die Zahl der traumatisierten dürfte um ein Vielfaches höher sein. Die vielen Suizide unter amerikanischen Veteranen sprechen eine eindeutige Sprache.

Wie es nun mit dem zerrütteten Land weitergeht, beschäftgt die Männer und Frauen die dort gedient haben ganz natürlich. Und ganz natürlich ist auch ihr Frust, dass dieser Einsatz nicht das Ziel erreicht hat, dass sie antrieb, dorthin zu gehen.

Deutsche Veteraninnen und Veteranen stehen nun vor einem ganz ähnlichen Problem: Während der Einsatz in Afghanistan ähnlich hoffnungsvoll begann und es bereits zu Anfang große Erfolge gegen die Talibanbewegung gab, zeigte sich über die Jahre, dass die ethnischen Differenzen unter Paschtunen, Usbeken, Tadschiken, Hazarah, Belutschen usw... vollkommen unterschätzt, das Agieren der Schattengouverneure und Warlords und nicht zuletzt der korrupten Regierung und Verwaltung teilweise bewusst und teilweise unbewusst gefördert wurde.

Das sich auch deutsche Veteranen aus den Einsätzen auf dem Balkan, in Afrika und nicht zuletzt Afghanistan fragen, was ihnen ihr persönliches Engagement gebracht hat, ist nur sebstverständlich.

Der Bund Deutscher Veteranen nimmt angesichts steigender Zahlen traumatisierter deutscher Soldaten an, dass es zum Ende der ISAF Mission im Dezember 2014 eine Welle neu auftretender seelischer Verwundungen geben wird.
Denn mit dem Ende der Mission schwindet einerseits die Möglichkeit, bald wieder in den Einsatz zu gehen. Ein für manche Soldatinnen und Soldaten jahrelang gewachsener Kreislauf aus Einsatzperspektive wird durchbrochen, das Gefühl, gebraucht zu werden und fokussiert zu sein verschwindet. Andererseits fängt in der post-Einsatzzeit auch die eigene Aufarbeitung mit dem Erlebten an.
Und zu dieser Aufabeitung gehört auch eine Bilanz. Die Veteraninnen und Veteranen der Bundeswehreinsätze werden sich fragen, was ihr persönliches Engagement als Soldat und das allgemeine Engagement Deutschlands im Einsatzland erwirkt haben, was also unterm Strich dabei herauskommt.

Wir warnen davor, diesen Mechanismus zu unterschätzen. Wir fordern Politik und jeden deutschen Bürger dazu auf, sich diesem Problem zu stellen. Es darf nicht noch einmal dazu kommen, dass deutsche Soldatinnen und Soldaten in Einsätze geschickt werden, ohne dass über die Einsatzfolgen nachgedacht wird.
Egal ob Bundespolizist, Entwicklungshelfer oder Soldat: Der Einsatz endet nicht mit dem Rückflug. Für keinen Beteiligten!

Eine mögliche Lösung liegt darin, unsere Veteraninnen und Veteranen in die Mitte der Gesellschaft zu holen und erzählen zu lassen.
Denn egal ob ein Bürger für oder gegen Ensätze im Allgemeinen oder einen bestimmten Einsatz im Speziellen gestimmt ist:
Nur unsere Veteraninnen und Veteranen können aus erster Hand berichten.
Die Frage "Möchtest Du darüber erzählen, denn ich höre gern zu!" Sollte für jeden Bekannten, jeden Verwandten und jeden Politiker an oberster Stelle stehen. Denn das Gefühl, ernst genommen zu werden hilft den Betroffenen, eine posiive Bilanz unter das Einsatzerleben zu ziehen.

Denn egal welche Rolle der Einsatz an sich das Einsatzland letztendlich beeinfluss hat: Die Entscheidung zu eigenem Engagement ist für einen demokratisch handelnden Soldaten der Bundeswehr niemals verkehrt!
Den Einsatz selbstkritisch zu reflektieren aber auch nicht.

In diesem Sinne braucht es eine gesamtgesellschaftliche Debatte, in der die Veteraninnen und Veteranen von der politischen Rolle des Einsatzes herausgelöst werden. Denn sie sind die Beauftragten des Bundestages, den die Wähler beauftragt haben. Sie tragen die Lasten dieser politischen und demokratischen Mechanismen. Sie dürfen sie nicht ausbaden müssen.


Hier finden Sie den Artkel über amerikanische Veteranen auf tagesschau.de:

www.tagesschau.de

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